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Felix-Rexhausen-Preis: Lobende Erwähnung

Aus der Urteilsbegründung:

Der Film "Requiem für einen Punk" war der Beitrag, über den die Jury am längsten diskutiert hat. Die Dokumentation von Berthold Bell und Gerhard Schick gibt einen authentischen Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt von Joseph Nagelschmidt - genannt Kairo -, einem Kölner Punk.

In dem Film treffen zwei Welten aufeinander. Der Künstler Berthold Bell lernt den Punk Kairo kennen, der mit seiner Clique meist am Kölner Rudolfplatz rumhängt. Beide sind schwul, haben aber sonst scheinbar nichts gemeinsam. Trotz aller sozialen Gegensätze freunden sich die beiden an. Bell verliebt sich in Kairo, dessen Leben geprägt ist vom Alkohol: bis zu vier Flaschen Korn an einem Tag. Kairo hat nur ein Ziel: Er will sich totsaufen. Bell, der in jungen Jahren auch ein Alkoholproblem hatte, will dem Punk helfen, scheitert aber.

Der 76-minütige Film - eine Montage aus Handkamera-Aufnahmen, Interviews sowie Erinnerungen von Berthold Bell - ist eine Hommage an den verstorbenen Freund. Die Stärke dieser Dokumentation ist es, die verletzliche Seite des Punks zu zeigen und Sympathien für ihn zu wecken - auch wenn stellenweise der Eindruck entsteht, dass Kairo von Bell zum Objekt gemacht wird.

Der Film geht dem Zuschauer lange nach. Er durchbricht die Gleichgültigkeit, mit der die Gesellschaft Außenseitern gegenübersteht. Deshalb hat sich die Jury dafür entschieden, diesen außergewöhnlichen Dokumentarfilm bei der Verleihung des Felix-Rexhausen-Preises 2008 lobend zu erwähnen. Die Jury wünscht sich, dass der Film in einer gekürzten Fassung im deutschen Fernsehen gezeigt wird.