Das Konzept der FERIENAKADEMIE FILM

   

Foto: FERIENAKADEMIE FILM

Grundsätze und Ziele der FERIENAKADEMIE FILM

Obgleich Kinder und Jugendliche heutzutage mit Kino, Fernsehen, Internet und Videospielen inmitten von bewegten Bildern aufwachsen und man die immense soziale und kulturelle Bedeutung der audiovisuellen Medien nicht mehr bezweifelt, ist die Auseinandersetzung damit innerhalb der kulturellen Bildung noch nicht institutionalisiert. Während Kunst und Musik fest im Fächerkanon der Schulen verankert sind, existieren für den Erwerb von Medienkompetenz bisher weder ein eigenes Schulfach noch außerschulische Bildungsangebote in nennenswertem Umfang. Anders als im Bereich der klassischen Künste, wo die schöpferische Produktion in der Regel von Eltern begrüßt und ausdrücklich gewünscht wird, wird eine Beschäftigung mit den neuen Medien bisher noch nicht in gleichem Maße angeregt und gefördert. Hier belässt man die Kinder und Jugendlichen zumeist in der Rolle der Konsumenten, die mediale Produkte in begrenztem Umfang rezipieren dürfen, diese jedoch nicht selbst gestaltend herstellen. Umso leidenschaftlicher betätigen sich Kinder und Jugendliche auf diesem Gebiet als Autodidakten, wie die zahlreichen selbst gedrehten Videos auf Internet-Portalen wie Youtube zeigen. Dieses in hohem Maße vorhandene Interesse an der Gestaltung medialer Bilder greift die FERIENAKADEMIE FILM auf und lässt ihm professionelle Förderung zukommen. Sie setzt sich dabei zwei Ziele: 

Förderung der kreativen Medienproduktion

Die FERIENAKADEMIE FILM ermöglicht hochbegabten Schülerinnen und Schülern, die verschiedenen Bereiche kreativer Arbeit einer Medienproduktion kennen zu lernen und selbst zu erproben. Audiovisuelle Medien bieten ein breites Spektrum an Möglichkeiten für die Entfaltung sehr unterschiedlicher Begabungen – seien sie technischer, musikalischer oder künstlerischer Natur. Sie stehen nicht im Widerspruch zu den klassischen Künsten, sondern verbinden diese miteinander in neuen Kontexten. Darstellendes Spiel, Dramaturgie, Bildgestaltung, Musik und nicht zuletzt die technische Postproduktion sind Bereiche, in denen vielfältige Interessen und Neigungen ein Betätigungsfeld finden können. Dabei sind die einzelnen Komponenten nie isoliert, sondern stets eingebunden in einen gemeinsamen ästhetischen Zusammenhang und ermöglichen so die Erfahrung, dass Spezialisierung und Teamarbeit einander nicht widersprechen, sondern sich im Gegenteil wechselseitig ergänzen und beflügeln. Gleiches gilt für die Verbindung von Kunst und Technik, die häufig als einander ausschließende Sphären wahrgenommen werden, in der Medienproduktion jedoch untrennbar miteinander verwoben sind. Jugendliche mit divergierenden Begabungsprofilen, die sonst zumeist isoliert gefördert werden, arbeiten hier an einem gemeinsamen Projekt und machen so die Erfahrung, dass ihre verschiedenen Interessen und Talente sich produktiv ergänzen. Zugleich kann die  Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aufgabenbereichen einer Filmproduktion eine Orientierung für die spätere Berufswahl bieten. 

Schulung der analytischen Medienrezeption

Neben der praktischen Arbeit möchte die FERIENAKADEMIE FILM die Jugendlichen auch in die Lage versetzen, audiovisuelle Produkte kompetent zu analysieren und zu beurteilen. Die FERIENAKADEMIE FILM versteht sich dabei als eine Schule des Sehens: Den Schülerinnen und Schülern werden Methoden der Film- und Fernsehanalyse vermittelt, und sie erhalten Einblick in die Grundlagen der Dramaturgie. Nur fundiertes Wissen um die Funktionsprinzipien der Medien befähigt zu einem kritischen Umgang damit. Heranwachsenden bestimmte mediale Inhalte zu ‚verbieten’ ist der Ausbildung von Urteilsfähigkeit eher hinderlich, und insbesondere hochbegabte Jugendliche werden von den üblichen Altersempfehlungen für Filme und Fernsehsendungen nicht angemessen erfasst. Die FERIENAKADEMIE FILM nimmt Heranwachsende als Rezipienten ernst und stattet sie mit dem nötigen begrifflichen Handwerkszeug aus, um mediale Angebote in ihrer Gemachtheit und Historizität verstehen, einordnen und bewerten zu können. Wer über mediale Mechanismen informiert ist, wird diese weder mit der Realität verwechseln noch ihnen kritiklos anheim fallen, sondern mündig über sie verfügen.

Die Verbindung von kreativer Praxis und historisch-analytischer Theorie ist ein zentraler Leitgedanke der FERIENAKADEMIE FILM. Beide Bereiche werden als wechselseitig bedingt begriffen und in enger Verschränkung unterrichtet.

Die FERIENAKADEMIE FILM als Hochbegabtenförderung

In einer Welt, deren Wahrnehmung zunehmend von bewegten Bildern beeinflusst wird, kommt hochbegabten Menschen in der Entwicklung und Gestaltung neuer Daseinsentwürfe eine Schlüsselrolle zu. Mit ihrer Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge schnell zu erfassen und zu verarbeiten, ihrer hohen technischen Kreativität und großen ästhetischen Sensibilität verfügen sie über optimale Voraussetzungen für die Bewältigung der differenzierten Anforderungen, die mediale Projekte stellen. Die FERIENAKADEMIE FILM will hochbegabte Jugendliche zur kreativen Verwendung medialer Produktionstechniken ermuntern. Indem die Jugendlichen ihre Interessen und Fähigkeiten auf diesem Gebiet schöpferisch entfalten und aktiv trainieren, erlernen sie Verfahren, die nicht nur für die Gestaltung ihrer persönlichen Zukunft, sondern auch für die Gesellschaft der Moderne von entscheidender Bedeutung sind.

Die FERIENAKADEMIE FILM versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zu bestehenden Förderungsangeboten für Hochbegabte, sondern als deren Ergänzung mit dem besonderen Ziel, Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungsprofilen in gemeinsamer Projektarbeit zusammenzuführen. Damit wird sie auch der Tatsache gerecht, dass sich hochbegabte Jugendliche vielfach dadurch auszeichnen, mehr als nur ein Talent zu haben: Oftmals verbinden sich verschiedene Begabungen in einer Persönlichkeit, die bestehenden Förderangebote konzentrieren sich jedoch zumeist auf ein einziges Spezialgebiet. Dagegen bildet die oben beschriebene, für mediale Produktionen charakteristische Verschmelzung von Kunst und Technik eine ideale Voraussetzung, um etwa mathematisch-naturwissenschaftliche und sprachlich-musische Hochbegabung in einem gemeinsamen Rahmen zu entfalten und zu fördern. Die hochbegabten Jugendlichen erleben dabei Formen der Zusammenarbeit, wie sie ihnen auch in ihrem späteren Berufsleben begegnen werden: Sie machen die Erfahrung, aufgrund ihrer individuellen Fähigkeiten gefragt zu sein, dabei jedoch gleichzeitig in einem übergreifenden Projektzusammenhang zu agieren, in dem Menschen mit  unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen und Arbeitsfeldern ein gemeinsames Ziel verfolgen.